DIE GESCHICHTE VOM BITTEREN UND SÜßEN LEBEN DER EINWANDERUNG

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Ich bin Yalda Sadeqi und wohne mit meiner 5-köpfigen Familie in München. Ich bin vor 7 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland eingewandert.

Den Iran habe ich im Alter von 12 Jahren verlassen und bin durch beängstigende und sehr gefährliche Straßen und Wälder nach Europa gereist. Wir haben eine harte Zeit durchgemacht, als wir über 2 Monate Tag und Nacht zu Fuß von einem Land ins andere gegangen sind. Wir durchquerten Stoppelfelder, in denen wir bis zum Bauchnabel im Matsch gingen und das barfuß, um unsere Schuhe danach beim Weiterlaufen tragen zu können. Jeden Tag und jede Nacht waren wir auf der Suche nach Wasser und einer Möglichkeit zum Schlafen. Wir mussten auf den Straßen und in den Wäldern auf unserem Weg schlafen, damit wir am nächsten Tag Kraft für das Fortsetzen unserer Reise hatten. Meine Familie und ich und auch andere Familien, die mit uns unterwegs waren, hatten große Angst, dass uns in diesen Nächten schlimme Dinge passieren könnten. Dass ich meine Familie verliere oder dass wir auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland in diesem sehr großen Meer ertrinken.

Als wir in der Dunkelheit auf dem Schlauchboot waren, haben die Menschen vor Angst geschrien und dadurch mich und die anderen Kinder unter Schock gesetzt. Nachts sind wir endlich in Griechenland angekommen und haben in einer Straße ein Lagerfeuer gemacht, um uns zu trocknen. Wir hatten kein Geld, um uns Essen zu besorgen und konnten die Sprache nicht, also baten wir an den Häusern um Essen.

Nach all diesen schlechten Erlebnissen und Krankheiten ging es immer noch weiter. Wir kämpften und liefen durch weitere Länder, bis nach Deutschland.

Nachdem wir in Deutschland angekommen waren, haben wir in vielen verschiedenen Unterkünften gewohnt. Es waren Orte, an denen wir nicht das Recht hatten, unser eigenes Essen aus der Heimat zu kochen, es nicht hygienisch war und es Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen gab, die für uns noch nicht bekannt waren. Es gab viel Streit, wenig Platz und keine Ruhe.

Mit der Zeit lernten wir die Leute und Kulturen kennen und versuchten einander zu verstehen, da wir alle das gleiche durchmachten und in den selben Schwierigkeiten steckten. Wir akzeptierten einander und behandelten uns gleichwertig. Trotz all der Probleme war ich froh und glücklich, dass ich nach all der Not an einem sicheren Ort war. Und ich war erleichtert, dass mir und meiner Familie nichts passieren würde. Ich war froh, dass ich hier die Chance habe, meinen Träumen zu folgen.

Mir war es wichtig, in den Unterkünften mit Leuten, die uns besucht haben, Deutsch zu lernen und Freunde zu finden. Bei einer Unterkunft gab es eine Vorbereitung auf die Schule für ungefähr 6 Monate, dort haben wir die Schrift und spielerisch Deutsch sprechen gelernt. Danach war ich 2 Jahre in einer Übergangsklasse, in der wir den normalen Unterrichtsstoff gelernt haben, um weiterhin die Sprache und auch die Fächer kennen zu lernen. Dann konnte ich in der Regelklasse bis zu meinem Abschluss die Schule erfolgreich beenden. Ich war froh, dass ich meine Eltern und Familie so stolz sehen konnte.

Mittlerweile mache ich meine Mittlere Reife und habe mein Ziel vor Augen, auf die FOS zu gehen, um dann Wirtschaft studieren zu können. Bald werde ich mit meinem Führerschein anfangen und dann als erstes mit meiner Schwester und meiner Freundin an einen schon geplanten Ort fahren.

Jede Schwierigkeit vergeht mit der Zeit und macht eine Person stärker. Ich habe diese Hoffnung und ich bin mir sicher, dass andere Mädels*, die wie ich in meinem Alter nach Deutschland gereist sind oder gerade auf dem Weg sind, auf sich stolz sein können und genauso viel oder noch mehr erreichen können.

Während ich diesen Text schreibe, merke ich wie froh mich die Vorstellung macht, einigen Mädchen* da draußen Hoffnung geben zu können.

Autorin: Yalda Sadeqi

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