{"id":277,"date":"2023-04-01T20:08:57","date_gmt":"2023-04-01T15:38:57","guid":{"rendered":"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/?p=277"},"modified":"2025-01-17T19:15:58","modified_gmt":"2025-01-17T18:15:58","slug":"die-geschichte-vom-bitteren-und-suessen-leben-der-einwanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/die-geschichte-vom-bitteren-und-suessen-leben-der-einwanderung\/","title":{"rendered":"DIE GESCHICHTE VOM BITTEREN UND S\u00dc\u00dfEN LEBEN DER EINWANDERUNG"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-278 alignleft\" src=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58-300x208.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58-300x208.jpeg 300w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58-1024x710.jpeg 1024w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58-768x533.jpeg 768w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58-1536x1066.jpeg 1536w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.04.58.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ich bin Yalda Sadeqi und wohne mit meiner 5-k\u00f6pfigen Familie in M\u00fcnchen. Ich bin vor 7 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland eingewandert.<\/p>\n<p>Den Iran habe ich im Alter von 12 Jahren verlassen und bin durch be\u00e4ngstigende und sehr gef\u00e4hrliche Stra\u00dfen und W\u00e4lder nach Europa gereist. Wir haben eine harte Zeit durchgemacht, als wir \u00fcber 2 Monate Tag und Nacht zu Fu\u00df von einem Land ins andere gegangen sind. Wir durchquerten Stoppelfelder, in denen wir bis zum Bauchnabel im Matsch gingen und das barfu\u00df, um unsere Schuhe danach beim Weiterlaufen tragen zu k\u00f6nnen. Jeden Tag und jede Nacht waren wir auf der Suche nach Wasser und einer M\u00f6glichkeit zum Schlafen. Wir mussten auf den Stra\u00dfen und in den W\u00e4ldern auf unserem Weg schlafen, damit wir am n\u00e4chsten Tag Kraft f\u00fcr das Fortsetzen unserer Reise hatten. Meine Familie und ich und auch andere Familien, die mit uns unterwegs waren, hatten gro\u00dfe Angst, dass uns in diesen N\u00e4chten schlimme Dinge passieren k\u00f6nnten. Dass ich meine Familie verliere oder dass wir auf dem Weg von der T\u00fcrkei nach Griechenland in diesem sehr gro\u00dfen Meer ertrinken.<\/p>\n<p>Als wir in der Dunkelheit auf dem Schlauchboot waren, haben die Menschen vor Angst geschrien und dadurch mich und die anderen Kinder unter Schock gesetzt. Nachts sind wir endlich in Griechenland angekommen und haben in einer Stra\u00dfe ein Lagerfeuer gemacht, um uns zu trocknen. Wir hatten kein Geld, um uns Essen zu besorgen und konnten die Sprache nicht, also baten wir an den H\u00e4usern um Essen.<\/p>\n<p>Nach all diesen schlechten Erlebnissen und Krankheiten ging es immer noch weiter. Wir k\u00e4mpften und liefen durch weitere L\u00e4nder, bis nach Deutschland.<\/p>\n<p>Nachdem wir in Deutschland angekommen waren, haben wir in vielen verschiedenen Unterk\u00fcnften gewohnt. Es waren Orte, an denen wir nicht das Recht hatten, unser eigenes Essen aus der Heimat zu kochen, es nicht hygienisch war und es Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern und Kulturen gab, die f\u00fcr uns noch nicht bekannt waren. Es gab viel Streit, wenig Platz und keine Ruhe.<\/p>\n<p>Mit der Zeit lernten wir die Leute und Kulturen kennen und versuchten einander zu verstehen, da wir alle das gleiche durchmachten und in den selben Schwierigkeiten steckten. Wir akzeptierten einander und behandelten uns gleichwertig. Trotz all der Probleme war ich froh und gl\u00fccklich, dass ich nach all der Not an einem sicheren Ort war. Und ich war erleichtert, dass mir und meiner Familie nichts passieren w\u00fcrde. Ich war froh, dass ich hier die Chance habe, meinen Tr\u00e4umen zu folgen.<\/p>\n<p>Mir war es wichtig, in den Unterk\u00fcnften mit Leuten, die uns besucht haben, Deutsch zu lernen und Freunde zu finden. Bei einer Unterkunft gab es eine Vorbereitung auf die Schule f\u00fcr ungef\u00e4hr 6 Monate, dort haben wir die Schrift und spielerisch Deutsch sprechen gelernt. Danach war ich 2 Jahre in einer \u00dcbergangsklasse, in der wir den normalen Unterrichtsstoff gelernt haben, um weiterhin die Sprache und auch die F\u00e4cher kennen zu lernen. Dann konnte ich in der Regelklasse bis zu meinem Abschluss die Schule erfolgreich beenden. Ich war froh, dass ich meine Eltern und Familie so stolz sehen konnte.<\/p>\n<p>Mittlerweile mache ich meine Mittlere Reife und habe mein Ziel vor Augen, auf die FOS zu gehen, um dann Wirtschaft studieren zu k\u00f6nnen. Bald werde ich mit meinem F\u00fchrerschein anfangen und dann als erstes mit meiner Schwester und meiner Freundin an einen schon geplanten Ort fahren.<\/p>\n<p>Jede Schwierigkeit vergeht mit der Zeit und macht eine Person st\u00e4rker. Ich habe diese Hoffnung und ich bin mir sicher, dass andere M\u00e4dels*, die wie ich in meinem Alter nach Deutschland gereist sind oder gerade auf dem Weg sind, auf sich stolz sein k\u00f6nnen und genauso viel oder noch mehr erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich diesen Text schreibe, merke ich wie froh mich die Vorstellung macht, einigen M\u00e4dchen* da drau\u00dfen Hoffnung geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Autorin: Yalda Sadeqi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Yalda Sadeqi und wohne mit meiner 5-k\u00f6pfigen Familie in M\u00fcnchen. Ich bin vor 7 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland eingewandert. Den Iran habe ich im Alter von 12 Jahren verlassen und bin durch be\u00e4ngstigende und sehr gef\u00e4hrliche Stra\u00dfen und W\u00e4lder nach Europa gereist. 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