{"id":273,"date":"2022-08-14T19:58:17","date_gmt":"2022-08-14T15:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/?p=273"},"modified":"2025-01-17T19:17:15","modified_gmt":"2025-01-17T18:17:15","slug":"offener-brief-an-den-bayerischen-ministerpraesidenten-herrn-dr-markus-soeder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/offener-brief-an-den-bayerischen-ministerpraesidenten-herrn-dr-markus-soeder\/","title":{"rendered":"OFFENER BRIEF An den bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Herrn Dr. Markus S\u00f6der"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-274 alignleft\" src=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-282x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-282x300.jpeg 282w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-768x817.jpeg 768w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31.jpeg 925w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/>Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident Dr. Markus S\u00f6der,<br \/>\nim Auftrag der Sozialen und kulturellen Organisation Omid und im Namen unseres Netzwerks von fast 40.000 Afghaninnen und Afghanen wenden wir uns mit einem dringenden Appell an Sie.<\/p>\n<p>Mit diesem Schreiben bitten wir Sie, besonders bedrohte afghanische Aktivistinnen und Aktivisten jetzt bei ihrer Ausreise aus Afghanistan zu unterst\u00fctzen. Denn wir sehen nicht nur deren Leib und Leben gef\u00e4hrdet, sondern auch das jahrzehntelange Engagement und die Investitionen des Freistaats Bayern in Afghanistan.<\/p>\n<p>Wir sind sehr besorgt, dass Afghanistan in eine instabile<br \/>\nLage abrutscht und radikal-islamistische Gruppen das<br \/>\npolitische Klima ausnutzen, um ihr menschenverachtendes Gedankengut auch international zu verbreiten.<\/p>\n<p>Nicht nur hier in Bayern unterst\u00fctzen wir unsere afghanischen Landsleute. Wir<br \/>\nvertreten ein gro\u00dfes Netzwerk an aktiven Menschenrechtsgruppen, Aktivistinnen und<br \/>\nAktivisten der Zivilgesellschaft, Frauenrechtlerinnen und Frauenrechtlern und<br \/>\nJournalisten und Journalistinnen in ganz Afghanistan. Dank der finanziellen<br \/>\nUnterst\u00fctzung des Freistaates Bayern wurden diese Strukturen \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht. Wir sind bereit, alles daf\u00fcr zu tun, damit diese Hilfe nicht umsonst war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-275 size-full\" src=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"900\" srcset=\"https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1.jpeg 1600w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1-300x169.jpeg 300w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1-768x432.jpeg 768w, https:\/\/journal.bitpardaz.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/WhatsApp-Image-2024-03-16-at-20.01.31-1-1536x864.jpeg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><br \/>\nSeit der gewaltsamen Macht\u00fcbernahme der Taliban erreichen uns st\u00fcndlich Hinweise und Nachrichten von Menschen aus Afghanistan, die verzweifelt um Hilfe bitten. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass in Afghanistan gewaltsame \u00dcbergriffe auf die Zivilbev\u00f6lkerung stattfinden k\u00f6nnten. Daher planen viele Afghaninnen und Afghanen bereits ihre Flucht aus dem Land. Dabei d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass auch die Menschen, die sich schon nach Bayern retten konnten, einem enormen psychischen Stress ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Darum bitten wir Sie herzlich, eine Beschleunigung und ein Entgegenkommen bei der Erteilung von Visas f\u00fcr Familiennachz\u00fcge zu unterst\u00fctzen. Vielen Betroffenen w\u00fcrde rechtlich eine Einreise auf legalem Weg zustehen. Die Pr\u00fcfung ist jedoch schwierig und kann sich lange hinausz\u00f6gern. Einen Einsatz ihrerseits beim Ausw\u00e4rtigen Amt in Berlin f\u00fcr die bedrohten Menschen Afghanistans sehen wir als \u00e4u\u00dferst hilfreich an.<\/p>\n<p>Mangels Auslandsvertretung in Kabul hoffen wir, dass Ihre F\u00fcrsprache beim Ausw\u00e4rtigen Amt in den deutschen Vertretungen in Teheran, Islamabad und Neu-Delhi zu einer z\u00fcgigeren Bearbeitung der Visa-Antr\u00e4ge f\u00fchrt. Auch die Antr\u00e4ge, die bereits seit Jahren nicht abschlie\u00dfend bearbeitet wurden, sollten jetzt so schnell wie m\u00f6glich erteilt werden. Dabei bitten wir um eine Vereinfachung der Antr\u00e4ge, um gr\u00f6\u00dferes Ungl\u00fcck abwenden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, abgelehnten Afghaninnen und Afghanen in Deutschland eine Bleibeperspektive zu gew\u00e4hren, zumal sie zun\u00e4chst auf unbestimmte Zeit rechtlich nicht abgeschoben werden k\u00f6nnen, gleichzeitig aber der bayerischen Wirtschaft nicht als dringend ben\u00f6tigte Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen. Im beidseitigen Interesse hoffen wir hier auf eine produktive Anpassung der Gesetzeslage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir empfehlen, Asylantr\u00e4ge aufgrund der ver\u00e4nderten politischen Lage in Afghanistan im Rahmen von Neu- oder Zweitverfahren jetzt neu zu begutachten. Abgeschobene Afghaninnen und Afghanen jedweden Standes geh\u00f6ren zu einer besonders gef\u00e4hrdeten Gruppe. Sie sind die ersten, die zu Opfern der Taliban und anderer radikal-islamistischer Organisationen werden. Auch hier hat die Welt und somit auch Deutschland eine politisch-moralische Verantwortung gegen\u00fcber besonders vulnerablen Gruppen. Wenn wir hier die richtigen Weichen stellen, wird Bayern durch Transferwissen und internationale Handelskontakte bereichert. Wenn Sie sich f\u00fcr dieses Potenzial stark machen, k\u00f6nnen wir Sie dabei unterst\u00fctzen, den guten Ruf Bayerns und Deutschlands in der Welt gemeinsam weiter auszubauen.<\/p>\n<p>Es ist zu bedenken, dass Menschen auf der Flucht nicht viel zu verlieren haben. So wird sich illegale Flucht durchsetzen. Dabei verlieren wir jene, die das gr\u00f6\u00dfte Potential f\u00fcr Ihr Land in sich tragen, gegen diejenigen, die sich durch brutale Gewalt durchsetzen. Wie Sie wissen, bedeutet eine illegale Flucht nicht nur die finanzielle St\u00e4rkung krimineller Menschenhandels Organisationen, welche oft von Terrorgruppen geleitet werden, sondern auch fast immer eine traumatische Erfahrung f\u00fcr die Fl\u00fcchtenden.<\/p>\n<p>Wenn Sie es dann nach Bayern schaffen, m\u00fcssen sie in vielen F\u00e4llen psychologisch behandelt werden. Je traumatischer die Flucht war, desto schwerwiegender sind die langfristigen Folgen f\u00fcr Psyche und K\u00f6rper. Das bedeutet einen unglaublichen Aufwand f\u00fcr die bayerische Zivilgesellschaft und nicht zuletzt f\u00fcr das bayerische Gesundheitssystem.<\/p>\n<p>Wenn wir diesen Menschen jetzt helfen, \u00fcber die bundesdeutschen Vertretungen in den Nachbarstaaten Afghanistans und der Region auszureisen, wird nicht nur deren seelische wie k\u00f6rperliche Gesundheit gesch\u00fctzt, sondern auch ein wirtschaftlicher Mehrwert f\u00fcr das Land Bayern geschaffen. Unserem Netzwerk liegt eine gute Kooperation mit deutschen Beh\u00f6rden am Herzen.<\/p>\n<p>Wir stehen f\u00fcr Verl\u00e4sslichkeit und Seriosit\u00e4t. Wenn diese Menschen jetzt sich selbst \u00fcberlassen werden, verliert auch das Land Bayern das menschliche Potential, welches es in den letzten zwanzig Jahren aufgebaut und mit Millionen Euro an bayerischen Steuergeldern \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht hat. Wir k\u00f6nnen Ihnen dabei helfen, besonders sch\u00fctzenswerte Personen zu identifizieren und entsprechende Kontakte herzustellen.<\/p>\n<p>Die Soziale und Kulturelle Organisation Omid hilft afghanischen Gefl\u00fcchteten in Bayern dabei, L\u00f6sungen f\u00fcr Fragen der Integration zu finden. Wir helfen seit 2017 bei Heraus- forderungen des t\u00e4glichen Lebens, bringen unseren Landsleuten die bayerische Kultur n\u00e4her und vernetzen afghanische Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger, die f\u00fcr die Demokratisierung und wirtschaftliche Entwicklung ihrer Heimat aktiv werden wollen.<\/p>\n<p>Um eine breitere \u00d6ffentlichkeit zu erreichen, entwickeln wir derzeit eine Zeitschrift, um afghan- isches Leben und Geschichte zu erkl\u00e4ren und gleichzeitig afghanischen Mitmenschen M\u00fcnchner Kultur und das Leben in Bayern n\u00e4her zu bringen. Denn wir glauben, dass Integration vor allem durch Wissen und Bildung voranschreitet. Allein auf unserer Facebook-Seite folgen uns fast 40.000 afghanische Freunde und Unterst\u00fctzer, die uns tagt\u00e4glich mit Informationen versorgen.<\/p>\n<p>Hochachtungsvoll Shiragha Najaty<br \/>\nVorsitzender der Omid Social And Cultural Organization<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Ministerpr\u00e4sident Dr. Markus S\u00f6der, im Auftrag der Sozialen und kulturellen Organisation Omid und im Namen unseres Netzwerks von fast 40.000 Afghaninnen und Afghanen wenden wir uns mit einem dringenden Appell an Sie. Mit diesem Schreiben bitten wir Sie, besonders bedrohte afghanische Aktivistinnen und Aktivisten jetzt bei ihrer Ausreise aus Afghanistan zu unterst\u00fctzen. 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